Ein Traum

April 2020
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Was wäre, wenn es plötzlich kein Geld mehr gäbe auf der Welt?

Und wenn wir dann nicht in Panik geraten, sondern vetrauen?

 

Ich schaue Nachrichten. Der Nachrichtensprecher verkündet mit ungewöhnlicher Panik in der Stimme: "Unser Geld ist nichts mehr wert!". Kurz danach höre ich draußen Menschen auf die Straßen laufen, Stimmengewirr, dann sogar Schreie und klirrende Fensterscheiben. Ich laufe auf den Balkon und sehe wie überall das Chaos ausbricht. Jede*r will *sein Überleben sichern indem *er noch schnell so viele Nahrungsmittel, Klopapier und sonstige Dinge zusammenrafft wie möglich. Angst macht sich breit, denn wer wird denn jetzt noch arbeiten? Woher sollen all die Produkte für unseren schönen Lebensstandard kommen, wenn keine*r mehr bezahlt wird?

 

Ich bemerke, dass ich ein Megaphon in der Hand habe. Ohne Nachzudenken schalte ich es an und halte es an meinen Mund: "HAAAAALT!" Alle bleiben wie angewurzelt stehen und blicken hoch zu mir. Es ist als ob die Welt still steht und die Menschen hoffen, dass ich etwas hilfreiches sage. Gespannt lauschen sie meinen Worten:

 

"Sollen wir uns jetzt die Köpfe einschlagen? Wollen wir tatsächlich einen Bürgerkrieg? Bei dem es am Ende keine Gewinner*innen gibt sondern nur Verlierer*innen? Was hat sich denn schon geändert? Das Geld ist nichts mehr wert - na und? Lasst uns doch genauso weiterleben, wie bisher! Wir arbeiten einfach genauso weiter, wir kaufen genauso ein, verbringen unsere Freizeit genau wie vorher - dann bleibt alles beim Alten: Alle leben genau so weiter, Fabriken laufen, Büros sind besetzt, Geschäfte sind geöffnet, nur dass wir eben nicht ständig Metallscheiben, Papierscheine oder bunte Kärtchen mit uns rumtragen, weitergeben oder wo reinstecken. Wir müssen uns nur vertrauen! Vertrauen, dass niemand von uns weniger arbeitet oder mehr aus dem Supermarkt mitnimmt als sonst."

 

Die Menschen auf der Straße gucken verwundert, aber irgendwas in meinem Tonfall lässt sie hoffen, dass meine Idee ein zwar fast unglaubliches aber doch mögliches Potenzial enthält. Ich rufe durch meine Flüstertüte, die anscheind die gesamte Menschheit erreicht: "Lasst es uns einen Monat ausprobieren und dann sehen wir, wie wir weiter machen wollen!". Alle nicken mit Skepsis und gehen zurück in ihre Häuser.
 

Es ist erstaunlich: alle sind dabei und halten sich an die Vereinbarungen. Das Leben geht genauso weiter wie bisher. Nur dass es sich irgendwie seltsam anfühlt manchmal vor dem Bankautomaten zu stehen ohne etwas abzuheben oder an der Kasse nicht zu bezahlen. Für eine ganze Berufsschicht verliert die Arbeit ihren Sinn: Kassierer*innen, Banker*innen, Börsianer*innen, Steuerberater*innen, Steuereintreiber*innen, Inkassounternehmensmitarbeiter*innen, Croupiers, Versicherungsvertreter*innen, Finanzbeamt*innen, Finanzberater*innen, Fahrkartenkontrolleur*innen, Bankräuber*innen... Doch wie vereinbart setzen sie wie alle anderen ihren Alltag fort.

 

Bei einer großen Konferenz 30 Tage nach dem vermeintlichen Unglück, beantragen diese Menschen ihre Arbeit niederlegen zu dürfen. Es sind viele Menschen, womöglich die Hälfte der Bevölkerung. Doch es wird schnell klar: selbst wenn sie ab sofort nichts mehr tun, ist die Versorgung mit Lebensmitteln und sonstigen Produkten weiterhin gesichert, solange alle anderen weitermachen. Stattdessen sollen sie sich überlegen, was nun mit den Gebäuden passiert, in denen sie bisher gearbeitet haben: mit den Banken, Versicherungen, Casinos,... Sie werden beauftragt diese vielen, meist sehr großen, noblen Gebäude so umzugestalten, dass z.B. Obdachlose dort wohnen, neue Schulen entstehen oder Asylbewerber*innen untergebracht werden können.


Anschließend könnten die arbeitslosen Banker*innen, Kassierer*innen, etc. einfach das tun, wozu sie Lust haben: sich der Kunst widmen, sich sozial engagieren oder auch einfach in der Hängematte liegen. Das würde nichts machen, denn vorher haben sie ja auch nichts "wirklich Produktives" gemacht, also keine Produkte hergestellt oder weiterverarbeitet. Die Gesellschaft könnte das verkraften, denn sie verbrauchen ja auch nur das, was sie vorher hatten und bisher auch schon produziert wurde!


Außerdem können die Menschen, die auch sehr viel mit Geld zu tun haben, Manager*innen, Politiker*innen, Firmenchef*innen, etc. in ihrer neu gewonnenen freien Zeit überlegen, ob sie das was sie tun oder herstellen, weiterhin so machen möchten, oder ob es nicht angesichts der nicht vorhandenen Kosten Sinn machen würde, bessere Zutaten für ihre Produkte zu verwenden, vielleicht umweltfreundlichere, sozialere, gesündere,... Das soll natürlich langsam passieren, um nichts ins Ungleichgewicht zu bringen.


Und schließlich haben ja auch wir alle mehr freie Zeit, da wir keine Überweisungen mehr tätigen müssen, nirgendwo mehr bezahlen müssen und (endlich!) keine Steuererklärungen mehr machen müssen. Und so darf sich jede* einzelne Bürger*in fragen, ob *sie so weiterarbeiten will, wie bisher: War der bisherige Antrieb für deine Tätigkeit nur das Geld? Würde es der Welt etwas ausmachen, wenn die Arbeit, die du bisher getan hast, nicht gemacht wird? Wenn ja, vielleicht kann sie jemand tun, der mehr Spaß daran hat als du? Und wenn nicht: was würdest du wirklich von Herzen tun und der Welt schenken wollen?


Wenn dann all diese Veränderungen stattgefunden haben, können wir damit beginnen, uns die ursprünglich "teureren" Produkte zu "leisten", die gesünder, ökologischer, sozialer, nachhaltiger sind. Von denen sind ja jetzt schon viel mehr da, weil die Firmenchef*innen und Manager*innen inzwischen viel Zeit zum Nachdenken hatten... Und weil wir auf dieser Seite der Erde im Überfluss leben, könnte nun das, was übrig bleibt an Menschen weiter gegeben werden, die hungrig sind oder die Dinge dringend brauchen, die sie sich bis jetzt nicht leisten konnten.

 

Wenn also Geld nichts mehr wert wäre und wir uns alle vertrauen, könnten wir in einer Welt leben, in der jede*r das tut, was *er gerne machen möchte, es gäbe mehr Kunst, mehr soziales Engagement und mehr Freizeit, gesündere Nahrungsmittel und hochwertigere Produkte, niemand müsste auf der Straße leben oder hungern und es würden viele lästige Tätigkeiten wegfallen, z.B. Steuererklärung!


Wär das nicht schön?
Finanzkrise - komm endlich her!!!


Wenn's also so weit ist, bitte einfach vertrauen

und genauso weitermachen, wie bisher, okay!?

 

 

Rückmeldungen an gutentag[at]christopher-gottwald.de

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23. - 28.12. La Palma

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© Christopher Gottwald