Christopher Gottwald
Christopher Gottwald

Ungeschnittener Ausschnitt aus einem Interview zu Polyamorie und Sexualität

Sexualität - ein Thema, das mehr mit unserem Leben zu tun hat, als wir glauben!

 

Ich stelle euch hier 20 neue Glaubenssätze vor, von denen ich denke, dass sie uns glücklicher machen.

Bisher gibt es nur zu wenigen eine Erklärung - weitere folgen!

Ich freue mich über Anmerkungen!

 

20 neue Glaubenssätze zu Sexualität:


1. Einvernehmlicher Sex ist gut und wir dürfen das!

Ist das nicht verrückt:
- Filme in denen Leute erschossen werden, werden in Deutschland von der FSK altersmäßig niedriger eingestuft als Filme, in denen gevögelt wird.
- Prostituierte haben in diesem Land nicht die gleichen Rechte wie jeder andere arbeitende Mensch.
- Menschen, die Sex mit mehr als einer Person innerhalb von kurzer Zeit haben, werden bei uns schnell als Schlampen oder Hurenböcke bezeichnet.
Warum? Was ist so schlecht am Sex, wenn er einvernehmlich stattfindet? Warum ist es ausgerechnet der nicht vollzogene Geschlechtsverkehr, den Maria zur Heiligen macht? ...und warum ist es das Zölibat, das katholische Priester ihres Amtes würdig macht?

Sogar Nacktheit, also so zu sein, wie wir von Natur aus sind, sind außerhalb von Sauna und FKK strafbar. Exhibitionismus und Voyorismus sind in unserer Gesellschaft nicht gerne "gesehen", wir wollen nicht ungefragt jemanden so anschauen, wie Gott sie oder ihn schuf, wir wollen auch nicht, dass man uns etwas wegguckt. Die Menschheit hätte sich nicht besonders weit entwickelt, wenn sich die Generationen von ihren Vorgänger_innen oder ihren Mitstreiter_innen nichts abgeguckt hätten. Bei Nacktheit und Sex sehen wir das seltsamerweise anders - hier muss sich jede_r meist alles alleine erschließen. Mal abgesehen von Pornographie, bekommt mensch wenig Vorbilder geliefert. Selten erfährt mensch, dass Sex auch lustig, verspielt und ehrlich sein kann.

Die Kirche hat vor langer Zeit das gesamte Thema in eine Kiste gesteckt, sie zugemacht und "Ehe" draufgeschrieben - nur hier darf Sex stattfinden. Das war sehr schlau, denn so wurde eine der stärksten Kräfte des Menschen gebändigt und klein gehalten: einmal verlieben, heiraten, Kinder kriegen und dann so langsam die Lust verlieren! Alles andere wurde zur Sünde erklärt und somit Scham und schlechtes Gewissen verbreitet - einzige Möglichkeit, diese loszuwerden: die Beichte - sehr praktisch: ich sage dir, dass die Befriedigung eines deiner Grundbedürfnisse fast immer böse ist, aber wenn du es doch tust, kann ich dich von deiner Sünde befreien. Gibt es einen besseren Weg, Macht zu gewinnen?

Das hat auch der Staat erkannt und die Ehe gesetzlich geregelt, sodass verheiratete Menschen finanziell unterstützt werden, aber die Trennung teuer wird. Ehebruch wurde zur Straftat. Denn was würde passieren, wenn die Bürger_innen sich ständig verlieben würden und high von den Hormonen rumlaufen, die beim Sex ausgeschüttet werden? Sie würden wahrscheinlich nicht 40 Stunden in der Woche Dinge tun, die ihnen weder Spaß machen noch sinnvoll erscheinen. Und sie würden wahrscheinlich nicht haufenweise Sachen konsumieren, die ungesund und auf Dauer langweilig sind - schon mal gemerkt, dass man in Phasen der Verliebtheit und sexueller Fülle wesentlich weniger raucht, isst, kauft oder krank ist? Denn dann nehmen wir uns Zeit zu genießen, zu reden und spazieren zu gehen und alles andere ist plötzlich nicht mehr ganz so wichtig...


Diesen Zustand könnten wir viel öfter erleben! Deswegen sollten wir uns das nicht verbieten lassen. Nun, es verbietet uns ja niemand, außer wir uns selbst. Die lange Zeit der Moral hat ihre Wirkung hinterlassen. Selbst wenn jemand das Eheversprechen beim Heiraten nicht wirklich ernst nimmt und vielleicht aus der Kirche ausgetreten ist, steckt das Bild vom glücklichen Paar weiterhin tief in uns und wird durch jede Filmromanze und jedes Liebeslied bestätigt und bestärkt. Der größte Richter steckt in uns selbst: wir verurteilen uns für unsere Lust, Geilheit und Fantasie. Wir schämen uns fürs Porno gucken oder Sexromane lesen. Wir gehen heimlich in die Swingerclubs und Freudenhäuser. Und unser Gewissen quält uns nach jedem Seitensprung. Doch fast alle anderen tun es auch: Die Pornoindustrie macht gigantische Umsätze: 1,5 - 8 Billionen € (8.000 Milliarden! Mehr als die Rüstungsindustrie), auf Youporn loggen sich täglich 300 Mio Menschen ein, über 50% sind schon einmal fremd gegangen und auf 2 Ehen kommt eine Scheidung!

Das Bild, das uns über Generationen eingeimpft wurde, passt nicht mehr zu uns! Aber statt es zu hinterfragen, halten wir daran fest und vögeln lieber heimlich, versuchen die Beziehungen beim Paartherapeuten zu kitten oder trennen uns halt zum x-ten Mal und akzeptieren dann zähneknirschend die Diagnose "bindungsunfähig".

Aber es gibt nichts schlechtes an einvernehmlichem Sex! Wir sind frei zu entscheiden, wann wir es mit wem machen wollen, solange diese_r das auch will!


2. Niemand braucht etwas zu tun, was er/sie nicht will

Dies ist der Knackpunkt an der Sache: Vergewaltigung, Zwangsprostitution und sexueller Missbrauch über Jahrtausende haben so viel Angst ausgelöst, dass Sex davon kaum mehr losgelöst betrachtet werden kann. Wir sollten aufhören, einvernehmlichen Sex und sexuelle Gewalt in einen Topf zu werfen.
Doch das Tabu Sexualität macht es uns schwer unsere Wünsche, Bedürfnisse und Grenzen zu formulieren. So tappen wir oft im Dunkeln, wenn wir versuchen, der/dem anderen Lust zu schenken - wir wissen nicht, ob gefällt, was wir da fabrizieren oder ob sie/er einfach still hält, bis es vorbei ist. D.h. wir müssen reden!


3. Wir dürfen jederzeit über Sex reden, auch während wir ihn haben

Wir dürfen jedes vorhandene Wort für Geschlechtsteile und den Akt verwenden - Worte können nicht schmutzig sein, nur die Verbindung, die wir uns selber schaffen!


4. Ein Blick ist ein Blick und kein Fick

 

Lasst uns anfangen, einen Blick, eine Berührung oder einen Kuss als das zu genießen, was es ist, und nicht als einen Schritt auf dem Weg zum Ziel.

 


5. Jede_R kann jederzeit ohne Angabe von Gründen aufhören

6. was heute gut ist, ist es vielleicht morgen nicht mehr


7. "Männer" müssen beim Sex weder "ihn reinstecken" noch einen Orgasmus gemacht bekommen
"Frauen" auch nicht


8. Wenn jemand einen Orgasmus haben will, kann sie/er ihn sich auch selber machen

9. Wir dürfen jede, wirklich jede denkbare und undenkbare, friedliche und gewaltvolle, kitschige und eklige Fantasie haben - Sexpraktiken zu verurteilen resultiert nur aus der Angst, sie machen zu müssen - weiß mensch aber um das Recht, nichts machen zu müssen, wird das Urteil sinnlos


10. Wir dürfen anderen davon erzählen


11. Wir dürfen sie auch ausleben (evtl. als Rollenspiel), solange alle Beteiligten das auch wollen, über 18 sind und es für jedeN jederzeit die Möglichkeit gibt ohne Angabe von Gründen aufzuhören


12. Wir dürfen anderen davon erzählen, wenn wir sie anziehend finden, sie begehren oder Gefühle für sie haben, daraus resultiert aber nicht das Recht auf eine Reaktion


13. Jede_R hat das Recht, nicht zu antworten oder zu reagieren, allerdings ist es schön, anderen Anerkennung zu geben für den Mut, den sie aufgebracht haben


14. Guter Sex entsteht aus den Fantasien, Impulsen, Ängsten etc., die die beteiligten Personen in diesem Moment haben und miteinander teilen möchten, d.h. Präsenz und Ehrlichkeit sind die besten Vorraussetzungen für guten Sex.


15. AIDS und andere Geschlechtskrankheiten sind nicht dafür da, um uns vom Sex abzuhalten, sondern um darüber zu sprechen


16. Kondome sind selbstverständlich, solange man keine andere Einigung getroffen hat - bei einer Übertragung einer Krankheit sind alle Beteiligten verantwortlich


17. Bei einer Schwangerschaft sind alle Beteiligten für das Kind verantwortlich


18. Jede_R ist selbst für seine sexuelle Befriedigung verantwortlich - niemand für die eines anderen!


19. Jede Aufmerksamkeit, die ich von anderen bekomme, ist ein Geschenk, ich kann nichts erwarten


20. Ein steifer Penis oder eine feuchte Vagina sind nicht gleichzusetzen mit sexueller Erregung, ein schlaffer Penis und eine trockene Vagina sind nicht gleichzusetzen mit Nicht-Erregung

Sexological Bodywork

Sitzungen und Workshops für bewusste und genussvolle Sexualität

Termine

20.11. Berlin: 

Liebe tanzen ENTFÄLLT !!
zusammen mit Annie O.

23.-26.11. Berlin: 

zusammen mit Alicia Dieminger
JETZT noch 4 Plätze zum Last Minute Preis!!

1.-3.12. Berlin: 

zusammen mit Robin Franke & Mareen Scholl

04.12. Berlin: 

zusammen mit Jaya Kusche

13.12. Berlin: 

3. Vortrag aus der Reihe freies Beziehungsl(i)eben

14.-17.12. Berlin: 

zusammen mit Alicia Dieminger

22.12. Berlin: 

28.12. - 03.01.2018 Berlin: 

zusammen mit Alicia Dieminger & Rohland Frohland

01. - 07.07.2018 Ungarn: 

zusammen mit Alicia Dieminger

 

 

 

Tipps für Events anderer Anbieter:

 

09.11. Berlin: 

Alicia Dieminger u.a.
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